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PRofi-Treff – Dialogorientierte Online-PR: Von der Theorie zur praktischen Anwendung im Community Management

PRofi-Treff des PRVA am 07.11.2013

* Dialog als Mittel zur Beziehungsentwicklung
* DOI, der Dialogorientierungsindex. Ein Instrument zur Typisierung von Instrumenten der Online-PR
* Modell der dialogorientierten Online-PR
* Dialog in der Praxis: Das Community Management von derStandard.at

Meine Dissertation steht für Interessierte hier zur Verfügung.

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07.11.2013. at 21:32 Hinterlasse einen Kommentar

Dialogorientierte Online-PR, Abstract meiner Dissertation

Zwei Ausschnitte und Vorüberlegungen aus meiner Dissertation habe ich ja schon 2010 in diesem Blog veröffentlicht. Jetzt ist es so weit, die Arbeit wurde endlich beurteilt und das nehme ich zum Anlass, hier eine Zusammenfassung anzubieten. Über Diskussionen und Fragen freue ich mich natürlich sehr.

Abstract: „Dialogorientierte Online-PR“

Verfasser: Mag. Mag. Christian Burger
Titel: Dialogorientierte Online-PR
Typ: Dissertation
Ort, Jahr: Wien, 2011
Seitenzahl: 384 (ohne Anhang)

1       Untersuchungsgegenstand

Untersuchungsgegenstand der Dissertation „Dialogorientierte Online-PR“ ist die Qualität von Beziehungen, die zwischen Mitgliedern von Teilöffentlichkeiten und einem PR-Träger bestehen, und insbesondere deren Korrelation mit dialogorientierter Online-PR und individuellen Faktoren. Ein auf Basis vorhandener theoretischer Grundlagen und Forschungsergebnisse entwickeltes Modell wurde hinsichtlich seiner wichtigsten Zusammenhänge anhand der Online-PR des ÖAMTC empirisch untersucht.

Die zentrale Fragestellung im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung lautet: Welche Zusammenhänge gibt es in der Online-PR zwischen Dialogorientierung auf der Ebene der PR-Instrumente und dem Erreichen der PR-Zielsetzungen?

2       Theorie

Dialogorientierte Online-PR wird als strategisches, prozessorientiertes Verfahren der Öffentlichkeitsarbeit verstanden, das mit Hilfe netzbasierter Kommunikationsdienste einen zweiseitigen, symmetrischen Kommunikationsprozess ermöglicht, dessen Verlauf und Ergebnis weitgehend offen sind. Auf Basis der Excellence-Studie von James Grunig et al. (Grunig/Grunig/Dozier 2002) stellt die Beziehungsentwicklung zwischen PR-Träger und seinen relevanten Teilöffentlichkeiten – messbar anhand der Beziehungsqualität in den Dimensionen Gleichberechtigung, Vertrauen, Verbundenheit und Zufriedenheit (Grunig/Hon 1999) – die Zielvariable im Modell der dialogorientierten Online-PR dar.

Mit Hilfe eines für diese Arbeit entwickelten Dialogorientierungs-Indexes (DOI), der die drei Strukturdeterminanten User-Kontrolle, Offenheit und Konnektivität berücksichtigt, können Instrumente der Online-PR anhand ihres Grades der Dialogorientierung typisiert werden. Es gibt vier Stufen der Dialogorientierung: keine, geringe, mittlere und hohe Dialogorientierung. Die Dialogorientierung von Instrumenten der Online-PR stellt die zentrale unabhängige Variable im Modell der dialogorientierten Online-PR dar.

Weitere Faktoren, die ebenfalls in Zusammenhang mit der Beziehungsqualität und/oder mit dem Grad der Dialogorientierung stehen können, werden als Rahmenbedingungen berücksichtigt.

3       Ziel / Fragestellungen / Hypothesen

Um die Ausrichtung der Arbeit zu fokussieren, wurden aus der zentralen Fragestellung (siehe „Untersuchungsgegenstand“) die folgenden Forschungsfragen abgeleitet:

Forschungsfrage 1: Zielsetzungen dialogorientierter Online-PR

Welche Ziele werden mit dialogorientierten Instrumenten der Online-PR verfolgt?

Forschungsfrage 2: Typisierung der Instrumente dialogorientierter Online-PR

Anhand welcher Kriterien können die Instrumente der Online-PR typisiert werden?

Forschungsfrage 3: Rahmenbedingungen für die dialogorientierte Online-PR

Welche zusätzlichen Variablen (neben Zielsetzungen und Instrument-Typen) sind für die dialogorientierte Online-PR von Bedeutung?

Forschungsfrage 4: Zusammenhänge zwischen Zielen, Typen dialogorientierter Instrumente und Rahmenbedingungen

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den Zielsetzungen, der Nutzung von unterschiedlichen Typen dialogorientierter Instrumente der Online-PR und den Rahmenbedingungen?

Die Forschungsfragen 1 bis 3 wurden in Form eines Modells der dialogorientierten Online-PR (Abbildung 1) auf Basis theoretischer Grundlagen (siehe „Theorie“) beantwortet.

Abbildung 1: Theoretisches Modell der dialogorientierten Online-PR (eigene Darstellung)

Als zentraler Prädiktor (unabhängige Variable) im Modell der dialogorientierten Online-PR wurde der Grad der Dialogorientierung von Instrumenten der Online-PR gewählt. Der Grad der Dialogorientierung wird für einzelne Online-Dienste mit Hilfe des Dialogorientierungs-Indexes anhand der drei Strukturdeterminanten User-Kontrolle, Offenheit und Konnektivität ermittelt.

Als Kriterium (abhängige Variable) wurde das Ziel der Öffentlichkeitsarbeit, die Beziehungsentwicklung (Differenz der Beziehungsqualität zu zwei Zeitpunkten), definiert. Im vorliegenden Modell wird davon ausgegangen, dass es für die Beziehungsentwicklung bedeutend ist, ob in der Online-PR Instrumente mit keiner, geringer, mittlerer oder hoher Dialogorientierung verwendet werden. Die Forschungsergebnisse von Mann (2004) deuten darauf hin, dass ein höherer Grad der Dialogorientierung, der mehr Kontakt und Austausch ermöglicht, mit einer besseren Beziehungsqualität zusammenhängen könnte.

Neben dem Grad der Dialogorientierung gibt es weitere unabhängige Variablen im Modell der dialogorientierten Online-PR: Auf individueller Ebene sind dies erstens Persönlichkeitsmerkmale (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit), zweitens die Internet-Nutzungsintensität und drittens die sozio-demographischen Variablen Geschlecht, Alter und Bildung. Bei den Kommunikationsaktivitäten wurden – neben der für das Modell zentralen Online-PR – die Offline-PR und Kommunikation außerhalb der Sphäre der Öffentlichkeitsarbeit als Rahmenbedingungen identifiziert, für die ein Zusammenhang mit der Beziehungsentwicklung angenommen wird. Auf Seiten des PR-Treibers gibt es darüber hinaus die Merkmale exzellenter Kommunikation nach Grunig et al., die einen Einfluss auf die Beziehungsqualität haben. Schließlich stellen auch die Variablengruppen der nicht-kommunikative Handlungen und Leistungen Faktoren dar, welche die Beziehungsentwicklung ebenfalls beeinflussen.

Im Modell der dialogorientierten Online-PR wird davon ausgegangen, dass die individuellen Merkmale eine Auswirkung auf die Wahl der Online-Kommunikationsdienste (und damit auf die Wahl des höchsten Grades der Dialogorientierung) haben. Weiters wird vermutet, dass manche der individuellen Faktoren direkt auf die Beziehungsqualität wirken. Schließlich wird auch angenommen, dass die Kommunikation außerhalb der Online-PR sowie die Merkmale des PR-Trägers Wirkungsbeziehungen mit der Beziehungsqualität aufweisen.

Um die Forschungsfrage 4 beantworten zu können, wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, die darauf abzielte, durch die Überprüfung von insgesamt 21 Arbeitshypothesen mögliche Zusammenhänge im Modell der dialogorientierten Online-PR zu erkennen.

4       Forschungsdesign

Für die empirische Überprüfung der Arbeitshypothesen anhand eines aus dem theoretischen Modell abgeleiteten Untersuchungsmodells wurde ein Ex-post-facto-Design gewählt: Die erforderlichen Variablen (Beziehungsqualität in den Dimensionen Vertrauen, Gleichberechtigung, Verbundenheit und Zufriedenheit, Persönlichkeitsmerkmale Extraversion und Verträglichkeit, Häufigkeit der Internetnutzung und soziodemographische Angaben sowie Nutzung der Online-Dienste des ÖAMTC) wurden nicht-experimentell in Form einer Querschnittstudie mit einer Online-Befragung unter den Nutzern der Web-Dienste des ÖAMTC erhoben. Die Laufzeit der Online-Befragung startete am 28. September 2010 und endete am 11. Oktober 2010.

Die Daten aus der Online-Befragung wurden zunächst deskriptiv ausgewertet, um einen Überblick über die erhobenen Variablen zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden Häufigkeiten und Mittelwerte berechnet. Zur Überprüfung der Arbeitshypothesen wurden Korrelationskoeffizienten berechnet und Signifikanztests zum Einsatz gebracht.

Neben der Online-Befragung kam eine zweite Methode zum Einsatz: Die für diese Untersuchung ausgewählten Instrumente der Online-PR des ÖAMTC wurden im Zuge einer vorbereitenden Maßnahme mit Hilfe des DOI analysiert. Durch diese Strukturanalyse war es möglich, den Grad der Dialogorientierung der von den Befragten verwendeten Web-Dienste zu bestimmen und die Individuen anhand dieses Kriteriums in unterschiedliche Gruppen einzuteilen.

Mit der Kombination der Methoden Online-Befragung (Ex-post-facto-Design) und Strukturanalyse der Online-Dienste wurde das Ziel verfolgt, Korrelationen zwischen dem Grad der Dialogorientierung der verwendeten Online-Dienste und den Dimensionen der Beziehungsqualität, abhängig von unterschiedlichen Nutzertypen, aufzudecken. Zum einen handelte es sich dabei um ein hypothesenprüfendes Vorgehen, welches eine Überprüfung der primären Arbeitshypothesen zum Ziel hatte. Zum anderen war diese empirische Untersuchung auch explorativ angelegt, indem versucht wurde, den Einfluss von definierten Kontrollvariablen anhand der sekundären Arbeitshypothesen zu ergründen. Die Kombination aus Hypothesenprüfung und explorativer Datenanalyse diente dazu, aus dem Untersuchungsmodell ein durch erste empirische Daten verbessertes Modell der dialogorientierten Online-PR zu entwickeln.

5       Ergebnisse

Das erste Ergebnis dieser Dissertation ist der Dialogorientierungs-Index, der eine Typisierung von Online-Instrumenten aus PR-Sicht erlaubt. Ausschlaggebend für den Grad der Dialogorientierung sind die drei Strukturdeterminanten User-Kontrolle, Offenheit und Konnektivität.

Dass der DOI eine sinnvolle Möglichkeit darstellt, anhand technischer Bedingungen (struktureller Voraussetzungen) die Dialogorientierung von Online-Diensten zu ermitteln, zeigte sich bei der Auswertung der Ergebnisse aus der Befragung von Usern der ÖAMTC Web-Dienste. Die Nutzung von Online-Angeboten mit unterschiedlichen Graden der Dialogorientierung weist tatsächlich Korrelationen mit einer Reihe von Variablen auf: Extraversion, Internet-Nutzungsintensität, Alter und Geschlecht.

Im Zuge der empirischen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass individuelle Merkmale mit dem Grad der Dialogorientierung in Zusammenhang stehen und teilweise auch mit der Beziehungsqualität korrelieren:

Für die Wahl des Grades der Dialogorientierung in der Online-Kommunikation spielt der Nutzertyp eine wichtige Rolle. Einerseits zeigte sich, dass extravertierte Personen ein höheres Ausmaß an Dialogorientierung bevorzugen als introvertierte Personen. Andererseits ist es auch von Bedeutung, wie häufig das Internet generell genutzt wird: Internet-Vielnutzer sind eher geneigt, Web-Dienste mit einer hohen Dialogorientierung zu verwenden. Zwischen Beziehungsqualität und Extraversion besteht eine positive Korrelation. Die Internet-Nutzungsintensität steht allerdings in keinem Zusammenhang mit der Beziehungsqualität.

Die Ergebnisse aus der empirischen Analyse legen nahe, dass der Grad der Dialogorientierung auf Instrumenten-Ebene jedoch kaum direkte Zusammenhänge mit der Beziehungsqualität aufweist:

Zwischen den Stufen der Dialogorientierung und der Beziehungsqualität gibt es nur teilweise Zusammenhänge. Die Dimensionen Verbundenheit und Zufriedenheit unterscheiden sich zwischen einzelnen Gruppen signifikant; für Vertrauen und Gleichberechtigung gilt dies jedoch nicht. Ein positiver Zusammenhang zwischen Dialogorientierung und Beziehungsqualität wurde nicht festgestellt. Überraschend wurde auch gezeigt, dass die Betrachtung des Zusammenhanges zwischen Dialogorientierung und Beziehungsqualität getrennt nach Nutzertyp nicht zielführend ist.

Zwischen Drittvariablen (Verträglichkeit, Alter, Geschlecht, Schulbildung, andere Kontakte und ÖAMTC-Mitgliedschaft) und Beziehungsqualität zeigten sich viele Korrelationen. Diese Zusammenhänge sind meist schwach ausgeprägt, können jedoch in Summe die Beziehungsqualität maßgeblich beeinflussen. Diese Befunde untermauern die Vermutung, dass es tatsächlich viele Einflussfaktoren auf die Beziehungsqualität gibt.

Zwischen den Drittvariablen und dem höchsten Grad der Dialogorientierung wurden nur teilweise Zusammenhänge gefunden: Die soziodemographischen Merkmale Alter und Geschlecht weisen schwache Korrelationen mit der Dialogorientierung auf; Schulbildung weist keinen Zusammenhang mit der Dialogorientierung auf.

Die Befunde aus der empirischen Untersuchung führten zur Konzeption eines adaptierten Modells der dialogorientierten Online-PR (Abbildung 2), welches das zweite Forschungsergebnis dieser Dissertation darstellt. In einer Erweiterung des ursprünglichen Modells wurden auf Basis der Theorie von Andreas Mann (2004) zum Dialogmarketing die Variablen Dialogbereitschaft, ‑fähigkeit und ‑kompetenz sowie die konkrete Dialogführung eingearbeitet.

Abbildung 2: Adaptiertes Modell der dialogorientierten Online-PR (eigene Darstellung)

Im adaptierten Modell wird angenommen, dass es zunächst einen Zusammenhang zwischen individuellen Merkmalen (Persönlichkeitseigenschaften, Internet-Nutzungsintensität, soziodemographischen Variablen) und Grad der Dialogorientierung gibt. Der Grad der Dialogorientierung hängt mit der Beziehungsentwicklung nicht direkt zusammen, hat aber einen Einfluss auf die Dialogführung in der Online-Welt, welche wiederum die Beziehungsentwicklung beeinflusst. Die Dialogführung online wird ihrerseits zusätzlich von der Dialogbereitschaft, Dialogfähigkeit und Dialogkompetenz auf Seiten des PR-Trägers sowie der Mitglieder relevanter Teilöffentlichkeiten beeinflusst.

6       Literatur

Burkart, Roland (2005): Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit. Ein Konzept für Public Relations unter den Bedingungen moderner Konfliktgesellschaften. In: Bentele, Günter/Fröhlich, Romy/Szyszka, Peter (Hg.): Handbuch Public Relations. Wissenschaftliche Grundlagen und berufliches Handeln. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 223-240.

Grunig, James E. / Hon, Linda (1999): Guidelines for Measuring Relationships in Public Relations. The Institute for Public Relations. Commission on PR Measurement and Evaluation. Online verfügbar:
http://www.instituteforpr.org/files/uploads/Guidelines_Measuring_Relationships.pdf (Stand: 15.01.2011).

Grunig, Larissa A. / Grunig, James E. / Dozier, David M. (2002): Excellent Public Relations and Effective Organizations: A Study of Communication Management in Three Countries (Lea’s Communication Series). New Jersey: Lea.

Ledingham, John / Bruning, Stephen (Hg.) (2000): Public Relations as Relationship Management. A Relational Approach to the Study and Practice of Public Relations. Mahawah, New Jersey: LEA.

Mann, Andreas (2004): Dialogmarketing. Konzeption und empirische Befunde. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag.

27.11.2011. at 16:06 4 Kommentare

Blogging Lawyers

I am writing something for work … about lawyers and blogging, and I thought part of that could be published here … actually, this is a kind of introduction to blogging for the audience of lawyers – with a few links to LawBlogs and other useful resources on the web. Please feel free to comment.

Universal McCann (PDF, 3,58 MB, published in April 2008) reports that „blogs are a mainstream media world-wide and as a collective rival any traditional media.“ The survey shows that there are 184 million active bloggers and 346 million readers of blogs worldwide. Globally, blogs have a reach of 72.8% among active internet users.

Corporate blogs (published and maintained by organizations) are used by 34% of all companies worldwide (2008, McKinsey survey on Web 2.0). There are internal blogs (on companies‘ Intranets, for employees) and external blogs (publicly available on the Internet).

JuraBlogs lists more than 200 law blogs for the German-speaking region. In the US, over 25% of the law firms have external blogs (2007, LexBlog). For European law firms I haven’t found any valid numbers, have you?

Recommended LawBlogs:

Recommended Directories and Other Resources:

30.12.2008. at 13:37 1 Kommentar

Wikis im Knowledge Management

Wikis, das sind die Web 2.0-Wunderdinger, die Unternehmen stark machen sollen. Wer mit Knowledge Management zu tun hat, kommt nicht selten auf die Idee, es mit Wikis im Firmen-Intranet zu versuchen.

Schnell eingerichtet ist so ein Wiki ja auch, es gibt unzählige, zum Teil frei verfügbare Software-Pakete, die von IT-Fuzzis schnell installiert sind. Doch dann:

Ernüchterung Nr. 1 – Wiki, ein Unbekannter

Niemand weiß, was ein Wiki ist: „Ist das nicht das Lexikon im Internet?“ ist die häufigste Assoziation, die ich gehört habe. Und ja, Wikipedia ist ein Wiki, aber eben nur ein Wiki. Das heißt, Wikis und ihre Funktionsweise sind eben nicht selbst-erklärend, sondern – will man ernsthaft mit einem internen Wiki Knowledge Management betreiben – muss man erklären, wie das funktioniert und muss diesen Prozess begleiten. Selbst wenn man das beherzigt, kommt dann häufig

Ernüchterung Nr. 2 – Wiki, nichts Neues

Das Wiki bleibt leer. Warum nur? Zum Glück habe ich kürzlich diesen Artikel gefunden: Learning and Knowledge Building with Wikis: The Impact of Incongruity between People’s Knowledge and a Wiki’s Information Hier wird von Johannes Moskaliuk und Joachim Kimmerle sehr schön beschrieben, woran das liegen kann. Das ist zwar wissenschaftliche Lektüre, aber mit großartigen Hinweisen für die praktische Verwendung von Wikis.

Doch zunächst – was bedeutet denn Knowledge Building? Die beiden Autoren unterscheiden zwischen 2 Effekten:

  1. individual learning – also der quantitativen und/oder qualitativen Zunahme von Wissen bei einzelnen Individuen und
  2. collaborative knowledge building – der gemeinsame Aufbau von Wissen

Wenn also Wikis dazu dienen sollen, diese beiden Effekte zu erzielen, wovon ist der Erfolg dann abhängig? Wenn man der zitierten Studie traut, dann hat das Ausmaß an Inkongruenz (Nichtübereinstimmung, auf Englisch level of incongruity) einen entscheidenden Einfluß.

Was ist Inkongruenz? Ein Modell von Jean Piaget geht davon aus, dass Menschen stets versuchen, ein Gleichgewicht zwischen ihrem eigenen Wissensstand und Informationen aus ihrer Umwelt herzustellen. Steht neue Information nicht im Einklang mit bisherigem Wissen, werden kognitive Konflikte ausgelöst. Um diese zu beseitigen, kann man sich zweier Mechanismen bedienen: Assimilation (dabei verwenden Menschen bisheriges Wissen, um die neue Information aufzunehmen) oder Akkomodation (dabei ändern Menschen ihr bisheriges Wissen, um es mit der neuen Information in Einklang zu bringen). In dem ersten Fall handelt es sich also um quantitative, im zweiten um qualitative Zunahme von Wissen.

Wikis: Externer und Interner Wissensaufbau

Die Prozesse der Assimilation sowie der Akkomodation können bei der Verwendung von Wikis sowohl intern als auch extern erfolgen. Intern heißt, dass diese beiden Prozesse im Zuge des individuellen Lernens erfolgen, extern heißt, dass sie sich im Wiki niederschlagen: Durch quantitative oder qualitative Anpassung der Wiki-Inhalte.

Zusammengefasst im Zitat (Moskaliuk/Kimmerle: Seite 2):

Altogether, the co-evolution of cognitive systems and the social system which in turn allows for individual learning and collaborative knowledge building is based one four different processes: 1. Internal assimilation which represents the (quantitative) acquisition of factual knowledge. 2. Internal accommodation which represents the (qualitative) acquisition of conceptual knowledge. 3. External assimilation which represents quantitative knowledge building. 4. External accommodation which represents qualitative knowledge building. Internal assimilation and internal accommodation are processes of individual learning. External assimilation and external accommodation present processes of a collaborative knowledge building in reference to the wiki.

Das Experiment

Johannes Moskaliuk und Joachim Kimmerle kommen in einem Experiment zu dem Ergebnis, dass ein mittleres Maß an Inkongruenz (verglichen mit niedriger und hoher Inkongruenz) sowohl das individuelle Lernen (quantitativ und qualitativ) als auch den gemeinsamen Aufbau von Wissen (qualitativ) positiv beeinflussen. Das heißt: Wenn neue Informationen aus einem Wiki mittelmäßig von bisherigen Wissen abweichen, dann ist dies sowohl für individuelles Lernen als auch für den gemeinsamen Wissensaufbau förderlich.

Aus dem Artikel (Seite 7) zitiert:

.. a medium level of incongruity between people’s knowledge and a wiki’s information supports individual learning (internal accommodation and assimilation) and leads to more qualitative knowledge building (external accommodation).

Zurück zu Ernüchterung Nr. 2

Was heißt das jetzt für unser praktisches Problem, dass Wikis häufig leer bleiben? Ich denke, man kann als KM-Verantwortlicher, der Wikis im Unternehmen einsetzt, aus diesen Überlegungen und dem Experiment 2 wertvolle Schlüsse ziehen:

Erstens: Wiki, nur scheinbar nichts Neues

Man sollte sich stets bewusst sein, dass es interne und externe Lernprozesse gibt. Ein Wiki kann sehr wohl zu individuellem Lernen führen, selbst wenn vom kollektiven Wissensaufbau nicht viel zu sehen ist (wenn es also nicht dazu kommt, dass viele User viele Inhalte hinzufügen). Dann wirkt es zwar nicht viel anders als Informationen, die auch in traditionellen Intranets veröffentlicht werden, aber vielleicht hat das Wiki trotzdem noch andere Vorteile: Häufig ist es von den Personen, die Inhalte eingeben, leichter zu bedienen als herkömmliche Content Management Systeme – und das betrifft nicht zuletzt die leichte Vernetzung (Verlinkung) von Inhalten.

In diesem Fall – wenn man zumindest individuelles Lernen beabsichtigt – ist es wohl ratsam, eine kleine Gruppe von MitarbeiterInnen dazu zu bringen, das Wiki aktiv zu befüllen. Eine aktive Beteiligung der „Masse“ ist dann nicht unbedingt notwendig.

Zweitens: Wiki, be (a little) provokative

Ja, Wikis dürfen und sollen ein wenig provozieren. Offenbar ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass wir uns mit ihren Inhalten auseinandersetzen (individuelles Lernen) und vielleicht sogar aktiv werden, um die Inhalte quantitativ oder qualitativ zu bearbeiten. Denn auch so lassen sich kognitive Konflikte beseitigen. 😉

05.08.2008. at 15:11 1 Kommentar

Reichweiten österreichischer Websites

Schon etwas länger ist es her, trotzdem interessant: Die ÖWA hat für das 4. Quartal 2007 die erste Regelstudie zur Reichweite österreichischer Websites durchgeführt. Reichweite wird definiert als der prozentuelle Anteil an allen Internetnutzern (Österreicher ab 14 Jahre).

Im Vergleich zur Pilotstudie ist zu beachten, dass damals die Reichweite an dem „ÖWA-Universum“ gemessen wurde, also an allen Internetnutzern, die zumindest eines der ÖWA-gemessenen Webangebote besuchten. Die Reihenfolge der Websites blieb in etwa gleich (es gibt bei der Regelstudie jedoch auch Neuzugänge, die sich erstmals messen ließen). Das heißt, dass die Reichweiten der österreichischen Websites laut ÖWA in etwa stabil, vor allem im Vergleich untereinander, sind.

Noch mehr Info zur Internetnutzung in Österreich finden Sie hier.

27.05.2008. at 22:47 Hinterlasse einen Kommentar

Vertrauen messen

PR hat etwas mit Beziehungen zu tun, das habe ich in diesem Blog schon oft behauptet. Und (gute) Beziehungen haben was mit Vertrauen zu tun. Davon bin ich auch überzeugt, die einschlägige PR-Literatur auch.

Jetzt habe ich genau zu diesem Thema ein interessantes Paper gefunden: Trust and PR Practice von Brad L. Rawlins. Ich wünschte ich hätte Zeit, es genau zu lesen und nicht bloß zu überfliegen …

Hier die Inhaltsübersicht – ich würde mich über Kommentare zu dem Paper freuen!

Trust and PR Practice

06.02.2008. at 21:52 Hinterlasse einen Kommentar

Umfrage zu Weblogs

Es gibt eine Umfrage der Universität Zürich zum Thema Weblogs. Zitat aus einem E-Mail:

Wir führen im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Zürich eine Umfrage zu Weblogs durch und interessieren uns für Ihre persönlichen Einschätzungen und Wahrnehmungen als Weblog-Autor/in.

Diese Befragung wird von der Forschergruppe Online-Kommunikation am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ) durchgeführt.

Nachfolgend erhalten Sie den Link zur Befragung. Bitte klicken Sie auf den Link oder kopieren Sie ihn in das Adressfeld Ihres Browsers, um mit der Befragung zu beginnen. Der Zeitaufwand beträgt ca.15 Minuten.

http://www.unipark.de/uc/blogger

Als Gegenleistung haben Sie am Ende der Befragung die Möglichkeit, die Umfrageergebnisse kostenlos anzufordern.

Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sind wir auf viele Befragungsteilnehmer/innen angewiesen. Wir würden uns also freuen, wenn Sie den Umfragelink an andere Blogger/innen weiterleiten und/oder auf Ihrem Weblog verlinken würden.

Die ermittelten Daten dienen rein wissenschaftlichen und keinen kommerziellen Zwecken. Ihre Antworten werden selbstverständlich anonym und vertraulich behandelt und nicht an weitere Institutionen oder an Dritte weitergegeben.

Herzlichen Dank im Voraus für Ihr Mitwirken!“

11.01.2008. at 10:02 Hinterlasse einen Kommentar

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